Blog

Videos & Bücher

Styles & Zugehör

FAQ

Was das Transsexuellengesetz im Alltag für Trans*-Personen bedeutet

Vor Kurzem haben AfD, CDU/CSU und SPD eine Reform des Transsexuellengesetzes abgelehnt, welches seit 40 Jahren wegen des Bundesverfassungsgerichts nur noch zum Teil gilt und keine Selbstbestimmung für betroffene Menschen bedeutet. Aber wie beeinflusst das Transsexuellengesetz den Alltag der Trans*-Personen?
 Gedanken zur Transgender-Welt  

Vor Kurzem haben AfD, CDU/CSU und SPD eine Reform des Transsexuellengesetzes abgelehnt, welches seit 40 Jahren wegen des Bundesverfassungsgerichts nur noch zum Teil gilt und keine Selbstbestimmung für betroffene Menschen bedeutet. Aber wie beeinflusst das Transsexuellengesetz den Alltag der Trans*-Personen? 

Erstens, dass man immer noch auf ein diskriminiertes Verfahren bezüglich der Namens- und Geschlechtseinträge setzen muss, welches zudem über ein Jahr dauert, selten eher einige Monate weniger und 1.000 bis 2.000 Euro kostet. Man muss Gespräche mit zwei Gutachter:innen führen, welche sehr intime Fragen stellen und am Ende muss man zum Gericht, wo auch der/die Richter:in ein paar Fragen stellt. Und das Verfahren gilt nur für Trans*-Personen, also wenn man im falschen Körper geboren ist und im anderen Geschlecht leben will. Für intersexuelle Personen gibt es eine einfache Möglichkeit per ärztlichem Attest beim Standesamt seinen Namen und Geschlecht ändern. Für nichtbinäre Menschen gibt es keine Möglichkeiten, seinen Namen und Geschlecht zu ändern. 

Den ganzen Prozess mache ich natürlich nicht mit. Widerspricht meiner Vorstellung selbstbestimmt zu leben und werde daher das kranke System nicht noch unterstützen. Dazu kommt noch die finanzielle Seite. Dazu hoffe ich, dass gegen Herbst ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht kommt und auf eine neue Bundesregierung, welche eher das Ganze anpacken würde. 

Aber wie sieht mein Alltag aus, wenn ich meinen Namen und Geschlecht nicht ändern kann? Ich habe erstens einen uralten Ausweis nicht nur mit einem männlichen Namen sowie Geschlechtseintrag, sondern auch das Bild ist sehr männlich. Ich könnte nun mit einem neuen Passbild beim DGTI einen Ergänzungsausweis beantragen, welcher von der Bundesdruckerei hergestellt wird und somit u. a. bei Kontrollen genutzt werden kann. Kostenpunkt 20 Euro plus Passbild und 6 bis 8 Wochen Wartezeit. Ich werde wohl im Juni den Ergänzungsausweis beantragen, da ich durch den Aktivismus öfter den Ausweis zeigen musste. 

Damit wird das Problem nicht gelöst. Auf meiner Bankkarte steht mein männlicher Name und die meisten Banken ändern dort den Namen erst nach der Namensänderung. Dazu steht auf der Krankenkassenkarte auch mein männlicher Name. Im ländlichen Gebiet Hunsrück & Nahe hatte ich oft die Erfahrung in der Vergangenheit gesammelt, dass die meisten Ärzte wegen der Krankenkarte mich mit männlicher Ansprache aufrufen. Was beim Warteraum manchmal sehr uncool ist, wenn ich mit weiblichem Aussehen dahocke. In der Universitätsstadt Heidelberg habe ich dagegen zu ¾ positive Erfahrungen gemacht, dort sind die Ärzte bereit, schon vor der Namensänderung mich mit “Frau” aufzurufen und mit “Penelope” statt mit meinem männlichen Vornamen anzusprechen bzw. anzuschreiben. 

Und in den folgenden Gebieten muss ich immer darauf hinweisen, dass ich rechtlich noch xy heiße und nicht Penelope oder bei manchen Verträgen darf ich meinen weiblichen Namen nicht nutzen, wie bei Mobilfunk-, Arbeits- und Mietverträgen. Wo ich oft meinen männlichen Namen nutzen oder erwähnen muss: Verträge abschließen, Impressum meiner Webseiten, Rechnungserstellung als Selbstständige, Angaben als Selbstständige bei Geschäften, Behördenkommunikation, Vereins- und Parteimitgliedschaften und wahrscheinlich habe ich noch ein paar Dinge vergessen. 

Ich bin immer froh, wenn ich nur mit meinem weiblichen Namen agieren darf. Und Dank der AfD, CDU/CSU und SPD muss ich auch in Zukunft mit der Diskriminierung und fehlenden Selbstbestimmung leben. Im Jahr 2021 sollte es auch für Trans*- und intersexuelle Personen die Selbstbestimmung geben. Selbst eine Namensänderung nach der Ehe ist viel einfacher, irgendwas stimmt da gewaltig nicht. 

Vor Kurzem hat die 17-jährige Trans*-Person Emma Kohler eine Petition auf Change.org veröffentlicht: https://www.change.org/p/selbstbestimmungjetzt-tsgabschaffen?pt=AVBldGl0aW9uAMw1uQEAAAAAYKzwT5%2FgXwY3NWI4NDdhMw%3D%3D&source_location=topic_page